Kristin, 28 Jahre

 USA 
 Vereinigte Staaten von Amerika 

Schule

Kristin, 28 Jahre
Welche Art von Schule/Schulen hast Du besucht? Förderschule oder Regelschule? Welche Unterstützung hast Du in der Schule erhalten?

Ich war auf einer speziellen Schule für Gehörlose. Der Unterricht fand komplett in Amerikanischer Gebärdensprache (ASL) statt. Großbuchstaben (mindestens 16 pt (PostScript-Punkt) Schriftgröße) und übersichtlich gestaltetes Unterrichtsmaterial haben mir geholfen.

Wie viele Jahre bist Du zur Schule gegangen? Hast Du einen Schulabschluss?

Ich habe die Schule bis zur 12. Klasse besucht und habe eine Teilnahmebescheinigung (kein Abschlusszeugnis) erhalten.

Bevor Du mit der Schule fertig warst, was war da Dein Wunschberuf und wo wolltest Du gerne wohnen?

Ich wollte eine gute Arbeitsstelle finden und vielleicht mit jemandem in eine Wohngemeinschaft ziehen.

Arbeit

Hast Du während der Schulzeit oder danach irgendwelche Praktika, Freiwilligenarbeit oder andere Jobs gemacht?

Zwei Schuljahre und einen Sommer lang habe ich an einem Programm für den Übergang von der Schule ins Erwerbsleben teilgenommen. In einer Fabrik habe ich in der Montage gearbeitet. Angefangen habe ich im Alter von 16 Jahren. Am Arbeitsplatz brauchte ich einen Job-Coach, der dazu in der Lage war, mir meine Aufgaben in amerikanischer Gebärdensprache (ASL) zu erklären.

Was hast Du seit Deinem Schulabschluss so gemacht, beispielsweise Fortbildungen, bezahlte oder freiwillige Tätigkeiten, soziale oder Freizeitaktivitäten?

Eineinhalb Tage pro Woche in die Werkstatt. Meine Freizeit verbringe ich hauptsächlich mit Spaziergängen in der Stadt, Einkaufen, in der Bücherei, mit FaceTime-Gesprächen mit Freunden oder in Chat-Räumen.

Hast Du eine Arbeitsstelle?

An drei Tagen pro Woche arbeite ich von 8:00 bis11:00 Uhr bei Jack‘s Donuts. Dort putze ich die Küche, die Toiletten, den Eingangsbereich und die Tische.

Hattest Du beziehungsweise Deine Familie Hilfe bei der Arbeitssuche?

Wir haben mit der staatlichen Stelle für berufliche Rehabilitation zusammengearbeitet und hatten mehrere Sachbearbeiter und Job Coaches. Der letzte Job-Coach hat dann die BESTE Arbeitsstelle gefunden!

Wohnsituation

Kristin vor einem Geschäft
Wo wohnst Du heute?

Ich wohne mit meiner Mutter und ihrem Freund in einem Haus, obwohl mir eine Wohnung mit einem Mitbewohner lieber wäre. Meine Mutter meint, dass ich erst noch einiges dazulernen muss, bevor das möglich sein wird – oder dass ich besser unterstützt werden müsste (durch Personen außerhalb der Familie). Derzeit arbeitet meine Mutter daran, mir mehr Hilfe außerhalb unserer Familie zu organisieren, damit ich das Haus mal erben und mit Unterstützung dann weiterhin dort leben kann.

Wo möchtest Du in Zukunft gerne leben?

Ich LIEBE meine Stadt – alles ist zu Fuß gut zu erreichen! Ich möchte weiter in meinem Haus bleiben!

Selbstständigkeit

Welche Fertigkeiten hast Du für Deine Selbständigkeit erlernt und wie hast Du das gemacht?

Einkaufen in der Stadt kann ich gut. Ich nehme einen speziellen Stadtbus (für Menschen mit Behinderungen) und einen örtlichen Busdienst (der Menschen zu Hause abholt und ausschließlich von/zur Arbeit befördert). Ich übe das Anfordern beider Busdienste (meine Mutter hilft mir dabei, das zu lernen). Ich bin ganz gut darin, das Haus zu putzen. Zu meinen medizinischen Terminen bringt mich immer meine Mutter. Ich lerne immer noch dazu, von meiner Mutter und in meinem Kurs. Außerdem habe ich eine gute Freundin (sie kann Gebärdensprache!), die einmal im Monat etwas mit mir unternimmt (Einkaufen, Spiele bei ihr zu Hause, Parkausflüge et cetera).

Welche (technischen) Hilfsmittel verwendest Du, um selbstständig zu sein?

Ich habe einen Langstock (aber nutze ihn nur, bis ich mit einem Ort vertraut bin). Ich nutze ein iPad/Tablet, ein Smartphone, Papier und Stift. Zum Umgang mit Geld muss ich noch mehr lernen. Meine Mutter hat in meinem Handy eine Tabelle eingerichtet, mit der ich mein Geld besser im Blick habe und nicht zu viel ausgebe. Ich muss noch mehr darüber lernen, wie man Rechnungen bezahlt. (Die Rechnungen werden im Namen des „stellvertretenden Empfängers“ beglichen, das heißt aus Bundesmitteln und nicht vom Verdienst meiner Mutter). Ich möchte unbedingt besser kochen lernen. Ich kann die Mikrowelle ganz gut bedienen, aber ich muss noch lernen, wie man beim Kochen auch mehr mit dem Backofen und dem Kochfeld arbeiten kann – und zwar gefahrlos! Außerdem muss ich noch mehr darüber lernen, wie man Arzttermine und Beförderungsdienste organisiert und Dolmetscher anfordert.

Sonstige Fragen

Wie bleibst Du in Kontakt mit Deinen Freunden und Deinem Umfeld?

Ich nutze hauptsächlich soziale Medien für Freundschaften. Ich chatte viel! Ich habe nicht viele Freunde, mit denen ich ins Kino gehen oder etwas anderes Unternehmen könnte und in unserer Kleinstadt beherrscht in meiner Altersgruppe niemand die Gebärdensprache. Einige Freunde habe ich in der Bücherei. Wir spielen Spiele zusammen und unternehmen andere Dinge in der Bücherei. Ich gehe in der ganzen Stadt spazieren und jeder kennt mich und sagt „Hallo“.

Wie sieht eine typische Woche bei Dir aus und welcher Teil gefällt Dir am besten?

Montag, Dienstag und Donnerstag:
Ich schlafe aus! Sehe fern oder chatte mit Freunden auf Facebook. Ich gehe zur Bücherei oder einkaufen und spazieren.

Mittwoch:
Ich wache um 6:00 Uhr auf, mache mich für die Arbeit fertig, um 7:30 Uhr holt der Bus mich ab und bis 8:30 Uhr komme ich in der Werkstatt an. Ich arbeite bis 15 Uhr (Montage/Tüten füllen et cetera). Um 12:00 Uhr mache ich 30 Minuten Pause. Manchmal gehe ich tagsüber auch einkaufen oder mache bei einer Gruppenaktivität mit. Ich nehme den Bus nach Hause. Dann entspanne ich!

Freitag:
Ich wache um 6:00 Uhr auf, mache mich für die Arbeit fertig, um 7:30 Uhr holt der Bus mich ab und fährt mich zu Jack‘s Donuts. Ich arbeite (putze) bis 11:00 Uhr, dann holt der Stadtbus mich ab und bringt mich zur Werkstatt. Ich arbeite bis 15:00 Uhr und nehme den Bus nach Hause.

Samstag und Sonntag:
Ich wache um 6:00 Uhr morgens auf, mache mich für die Arbeit fertig. Meine Mutter bringt mich bis 8:00 Uhr zur Arbeit bei Jack‘s Donuts. Um 11:00 Uhr holt meine Mutter mich ab und ich gehe nach Hause. Dann spaziere ich durch die Stadt, gehe zur Bücherei, einkaufen. Entspanne und chatte zu Hause. Ich liebe, liebe, LIEBE meine Arbeit bei Jack‘s! Mein Chef ist der BESTE: Er kennt einige Gebärden!

Was war besonders gut seitdem Du die Schule verlassen hast? Und was war nicht so gut?

Keine Freunde zu haben, die in der Nähe leben, ist hart. Niemand, mit dem man etwas machen könnte – nur ein Freund, einmal im Monat. (Anmerkung der Mutter: Das ist das Problem, wenn man auf eine öffentliche Schule geht. Die Schüler kommen von überall her und unter Umständen lebt niemand im gleichen Alter in der Nähe. Ein weiteres Problem ist es, wenn vor Ort niemand Gebärdensprache beherrscht.)

Was sind Deine Träume für die Zukunft?

Weiter bei Jack‘s Donuts arbeiten. In meiner kleinen Stadt leben, in der die Leute mich kennen. Eines Tages hätte ich gerne einen Freund. Aber vielleicht noch nicht gleich. Ich hätte gerne einen Freund, der Gebärdensprache (und Autofahren!) kann und mit dem ich etwas unternehmen kann. Vielleicht einmal einen Mitbewohner finden, wenn meine Mutter nicht mehr hier ist, aber ich möchte hier im Haus bleiben.

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