Bianca, 33 Jahre

 Deutschland 

Welche Art von Schule/Schulen hast Du besucht (Förderschule, Regelschule und so weiter)? Welche Unterstützung hast Du in der Schule erhalten? Was waren für Dich die größten Herausforderungen in der Schule? Welche Art von Schule/Schulen hast Du besucht (Förderschule, Regelschule und so weiter)?
Bianca, 33 Jahre, Deutschland

Bianca hat eine Förderschule, eine sogenannte G-Schule, besucht. In der Klasse waren durchschnittlich sieben Schüler, mit einer Klassenlehrerin und einer pädagogischen Mitarbeiterin für die pflegerischen Aufgaben. Bianca hat im Schulalltag keine zusätzliche Unterstützung bekommen und es gab dafür auch keinen Bedarf. Größere Herausforderungen im Schulalltag gab es für Bianca nicht, da es ja eine Schule für Kinder mit geistigen Beeinträchtigungen und mehrfach körperlichen Behinderungen war. Es wurde individuell auf Biancas Bedürfnisse und Beeinträchtigungen eingegangen. Die Diagnose CHARGE-Syndrom war zu jenem Zeitpunkt noch nicht bekannt. Bei Bianca ging man von Autismus und einer frühkindlichen Hirnschädigung aus.

Hast Du einen Schulabschluss (zum Beispiel Hauptschulabschluss, Mittlere Reife und so weiter)? Wie viele Jahre bist Du zur Schule gegangen?

Bianca ist mit einem Jahr Schulverlängerung insgesamt 13 Jahre zur Schule gegangen. Sie hat keinen Abschluss.

Als Du mit der Schule fertig warst, was war da Dein Wunschberuf und wo wolltest Du gerne wohnen?

Diese Entscheidung konnte Bianca nicht treffen.

Beruf

Hast Du irgendwelche Praktika oder andere Jobs während der Schulzeit gemacht? Wenn ja, wo hast Du ein Praktikum gemacht beziehungsweise gearbeitet? Und in welchem Alter hast Du damit begonnen? Hast Du Unterstützung (zum Beispiel durch einen Assistenten) während des Praktikums gehabt?

Nein, das konnte Bianca nicht. Es wurden lediglich kleine handwerkliche Abläufe, wie zum Beispiel Holz mit Schleifpapier schleifen im Unterricht probiert.

Was hast Du nach der Schule gemacht, zum Beispiel eine Weiterbildung, eine Ausbildung, ehrenamtliche Tätigkeiten, soziale Arbeiten, Besuch eines Berufsbildungswerkes (BBWs)?

Nichts von den aufgeführten Dingen hat Bianca gemacht.

Hast Du jetzt einen Arbeitsplatz oder eine Arbeitsstelle? Wenn ja, wo arbeitest Du? Wenn nein, wo möchtest Du gerne arbeiten?

Bianca hat nach der Schule zum Förder- und Betreuungsbereich einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen (WfbM) gewechselt.

Hast Du oder Deine Familie Unterstützung bei der Suche nach einem geeigneten Arbeitsplatz bekommen? Das ging alles, sozusagen, automatisch und problemlos.

Aufgrund der medizinischen Gutachten, hat das Arbeitsamt, gemeinsam mit der Schule und den Eltern, entschieden, dass Bianca nie auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Tätigkeit aufnehmen kann und somit in eine Werkstatt für behinderte Menschen der Lebenshilfe, Förder- und Betreuungsbereich wechselt.

Wohnen

Wo wohnst Du jetzt?

Bianca wohnt zu Hause.

Wo möchtest Du in der Zukunft mal wohnen?

Wir als Eltern möchten, dass Bianca einmal in einem Wohnheim mit Wohngruppen wohnen soll. Ein eigenständiges Wohnen kommt für Bianca nicht in Betracht.

Selbstständigkeit

In welchen Bereichen bist Du schon selbstständig – zum Beispiel Einkaufen, fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Arzttermine selbst vereinbaren und wahrnehmen, den Haushalt machen und so weiter? Und wie hast Du das alles gelernt?

Bianca ist in keinen der genannten Bereiche selbstständig und ständig auf Hilfe angewiesen.

Welche Hilfsmittel benötigst Du, um selbstständig zu sein – zum Beispiel Handy, Tablet, Blindenhund, Kommunikationsgeräte und so weiter? Welche Dinge möchtest Du noch lernen, um selbstständig oder selbstständiger zu werden – zum Beispiel mit Geld umzugehen, Kochen und so weiter?

Auch mit den hier aufgeführten Hilfsmitteln wäre ein eigenständiges Leben, nicht durchführbar.

Sonstige Fragen

Hast Du Freunde? Und wie bist Du in Kontakt mit Deinen Freunden –zum Beispiel über WhatsApp, Messenger, Video-Telefonie und so weiter? Und was machst Du mit Deinen Freunden?
Bianca in Begleitung auf einem Markt

Bianca hat keine Freundschaften. Treffen mit ehemaligen Bekannten aus der Behindertenwerkstatt finden nur durch die Initiative der Eltern statt. Besuche, zum Beispiel beim Tag der offenen Tür, Weihnachtsmarkt in der Werkstatt für Menschen mit Behinderungen (WfbM), et cetera organisieren die Eltern selbst, ohne Assistenz. Reisen über das Reisebüro der Lebenshilfe, buchen die Eltern. Freundschaften oder Kontakte aus diesen Reisen gibt es jedoch nicht.

Wie sieht eine typische Woche oder ein typischer Tag bei Dir aus?

Montag bis Freitag
7:00 Uhr Aufstehen/Toilettengang/Körperpflege/Ankleiden, gemeinsames Frühstücken zu Hause
8:00 Uhr Abholung durch den Fahrdienst Tagesstruktur beim Taubblindendienst Radberg (TBD) – Fahrzeit circa 10 Minuten
nach der Ankunft: Fühlkiste mit verschiedenen Materialien. Jeden Tag ein entsprechendes Material, Erbsen, Linse
Tagesformabhängig sind kleinere Arbeiten möglich wie zum Beispiel.

  • Weben, Stempeln, Papier reißen, Papier schöpfen,
  • Spaziergang im Botanischen Garten des Taubblindendienstes (TBD) oder/und im Sportraum auf Hometrainer Rad fahren,
  • Wahrnehmung verschiedener Art,
  • Klangschalen, Gewichtsdecke et cetera
  • vor dem Mittagessen, Tagesformabhängig – Mittagsruhe im Musikraum

12:00-12:30 Uhr Mittagessen
12:30-13:30 Uhr kleinere Beschäftigungen, Spaziergang, Mitarbeiter besprechen den Talker mit den Geschehnissen des Tages
13:45 Uhr Abholung durch den Fahrdienst
14:00 Uhr Ankunft zu Hause, Vesper mit Cappuccino, Spaziergang/Ausruhen, normaler Familien-Alltag mit Einkaufen, Gartenarbeit et cetera, Bianca wird mit einbezogen. Sie ist immer mit dabei.
Je nach Jahreszeit, schwimmen im eigenen Pool, schaukeln, Trampolinspringen. Im Winter eher passiv, da Bianca von sich aus keine Beschäftigungen anstrebt und ausführt.
19:00 Uhr Abendbrot
20:00 Uhr Es wird von Bianca selbst gefordert, ins Bett zu gehen. Sie hört zum Einschlafen nach Wunsch CDs (Compact Disc) oder Radio.
Am Wochenende:
normaler Familienalltag, mit verschiedenen Aktivitäten, wie Einkaufen, Haushalt, Ausflüge ins Schwimmbad, Wanderungen, Besuchen auf dem Rummelplatz, mit Riesenrad fahren.

Ausschlafen und länger Fernsehen, zum Beispiel Musiksendungen.

Was war besonders gut, seitdem Du die Schule verlassen hast? Und was war nicht so gut?

Positiv ist, dass Bianca, mit 23 Jahren, die Diagnose CHARGE-Syndrom bekam und wir über die Selbsthilfegruppe Zugang zu Informationen zum Krankheitsbild bekommen haben und so durch die Selbsthilfegruppe neue Freunde gefunden haben. Somit sind Treffen mit Freunden aus dem CHARGE-Verein, zu einem festen Bestandteil für Biancas Freizeitgestaltung geworden.

Bianca schiebt einen Kinderwagen

Bianca besuchte nach der Schule mehrere Jahre den Förder- und Betreuungsbereich einer Werkstatt für behinderte Menschen der Lebenshilfe. Dort fand sehr wenig Förderung statt, auch konnte nicht genügend auf ihre Bedürfnisse eingegangen werden, auch aus Unwissenheit des damals noch fehlenden Krankheitsbildes, beziehungsweise nach der Diagnose, war kein geschultes Personal vor Ort. Bianca zeigte oft Verhaltensauffälligkeiten. Seit zwei Jahren besucht sie die Tagesstruktur beim Taubblindendienst. Dort ist man sehr bemüht, auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Sie hat eine 1 zu 1 Betreuung, durch Studenten und FSJler (freiwilliges soziales Jahr).

In dieser Einrichtung selbst sind nur ältere Menschen über 50 Jahre, soziale Kontakte können weder durch Bianca, noch durch die anderen Bewohner aufgebaut werden. Deshalb ist es wichtig, ein gesundes Mittelmaß zu finden, zwischen der Freizeitgestaltung mit jungen Leuten, in Form von Reisen, mit der Lebenshilfe und der Beschäftigung in der Tagesstruktur.

Was sind Deine Träume und Wünsche für die Zukunft? 

Ihre Träume kann Bianca nicht mitteilen. Ihre Wünsche sind: alles, was Spaß macht. Riesenrad, Karussell, Zuckerwatte, Feuerwerk, Eis, et cetera. Diese Wünsche äußert sie sogar selbst.

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